Montag, 2. Juni 2014

Fern jeglicher Wasserrad-Romantik

Medienmitteilung Mühle Kleeb im Nachgang zum Mühlentag 2014 in der Berner Zeitung

Emmental & Oberaargau

Fern jeglicher Wasserrad-Romantik

Von Hanspeter Flückiger. Aktualisiert am 02.06.2014
Die Mühle Kleeb ist kein Museum, sondern ein Familienunternehmen. Als eine von 60 Anlagen in der Schweiz stellt sie gewerbsmässig Mehl her. Wie das Getreide zu Mehl wird, konnten die Besucher am Mühlentag erfahren.
Vom Gor du Vauseyon in Neuenburg bis nach Santa Maria im Münstertal, von Buch im Kanton Schaffhausen bis in den südlichsten Spitz der Schweiz in Coldrerio zur Mulino del Daniello drehten sich am Schweizer Mühlentag vom vergangenen Samstag viele historische Wasserräder. Nicht so in der Mühle Kleeb in Rüegsbach. Dort herrschte zwar am frühen Morgen auch emsiges Treiben. Die Tische der Festwirtschaft wurden bereitgestellt, die Landfrauen richteten ihren Backwarenstand ein, die Mühle ratterte. Aber nicht ausnahmsweise, um den Besuchern etwas bieten zu können. Hier, bei Kleebs, ist die Mühle noch täglich in Betrieb. Als eine der 60 Anlagen, die in der Schweiz gewerbsmässig Mehl und andere Getreideprodukte herstellen.
600 Tonnen Getreide pro Jahr
«Wir sind eine der kleineren Handelsmühlen», erklärt Ueli Kleeb einer Gruppe von Besuchern. Bis vor kurzer Zeit war er der Inhaber und Patron der Unternehmung. Seit er die Mühle Anfang April aus Al tersgründen an Katja Stalder übergab, ist er einer ihrer zehn Mitarbeiter, ihr Berater und der Mann, der den Betrieb und das Metier aus dem Effeff kennt. «600 Tonnen Getreide verarbeiten wir jährlich», referiert Kleeb. Angeliefert wird es von rund 50 Produzenten im Umkreis von zehn, fünfzehn Kilometern. Mathematisch reicht diese Menge, um ein Promille der Schweizer Bevölkerung mit Mehl zu versorgen – rund 8000 Personen, das sind etwa so viele, wie in den Gemeinden Hasle, Rüegsau und Affoltern wohnen.
Kleeb deutet mit einem Stab auf drei Gefässe mit Getreide darin: Weizen, Dinkel und Roggen. Daraus entsteht eine grosse Zahl von Produkten. Allein 50 Sorten Mehle, dazu Griesse, Flocken – viele in Bioqualität, und alle ohne Konservierungsmittel und ohne chemische Zusatzstoffe hergestellt. Die genauen Rezepturen sind gut gehütete Geheimnisse. Ein offenes ist, dass es in Rüegsau einst ein Kloster gab. Erstmals wurde es 1274 erwähnt, es stand unter dem Schutz des Abt es von Trub. Mit der Reformation wurden alle bernischen Klöster aufgehoben. Ein Andenken blieb dem Kloster Rüegsau mit einem Mehl gleichen Namens erhalten.
Eigentlich war geplant, am Mühlentag eine neue Kreation vorzustellen. Zeitlich hat es aber nicht gereicht. Kleeb: «Manchmal dauert das Pröbeln halt etwas länger.» Es sei aber nur noch eine Frage der Zeit. Auf etwas ist die neue Besitzerin Katja Stalder besonders stolz: In einer Mühle gibt es keine Abfälle. Das Getreidekorn wird vollständig verwertet. Wenn nicht als Nahrungsmittel, dann etwa als Kisseninhalt. Erhältlich sind die Produkte im eigenen Laden, bei kleineren Detailhändlern wie Käsereien und in Hofläden, die ihre Backwaren mit Kleeb-Mehlen herstellen.
Aufwendige Prozedur
Bis das Getreide zu Mehl wird, braucht es eine aufwendige Prozedur. Kleeb erklärte diese anhand einer schematischen Zeichnung, der Vorgang war auch auf den Rundgängen zu erkunden. Erst durchläuft das Getreide ei ne Vorreinigung, bevor es in Silos gespeichert wird. Vor dem eigentlichen Mahlvorgang wird das Getreide mithilfe von unterschiedlichsten mechanischen Verfahren gereinigt. Alles in allem schon ein langer Weg, bis die eigentliche Vermahlung beginnt, bei der es darum geht, den Mehlkern möglichst rein zu gewinnen, zu zerkleinern und zu Griess und Mehl zu verarbeiten. Aufgaben, die durch Walzenstühle, Sieb- und Sortier- und andere Maschinen verrichtet werden. Beim Mahlverfahren werden die drei verschiedenen Grundmehle Weiss-, Halbweiss- und Ruchmehl hergestellt. Diese dienen als Grundlage für die Spezialmischungen. Dunkle Mehle enthalten einen höheren Anteil der Randschichten des Getreidekorns, wo die Mineral-, Vital- und Ballaststoffe eingelagert sind. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.06.2014, 08:48 Uhr

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